Zwischen Geisterbahn und KlapsmühleEin Interview mit dem Filmemacher Wenzel Storch über katholische Wunderländer, die Kunst, Kekse auf Stoff zu kleben, und den Unterhaltungswert der Kastelruther Spatzen Jodelnde Japanerlit: Beschäftigt Dich das heute noch? Storch: Wenn man da mal so tief drin gesteckt hat, wird man das nie wieder los. Das wird ja auch immer wieder von Ex-Messdienern, von Leuten wie Harald Schmidt oder Christoph Schlingensief, erzählt. Irgendwas bleibt zurück, ein lebenslanges Interesse, in schlimmeren Fällen ein lebenslanger Knall. Als dieser Katholiken-Tag in Köln vor zwei Jahren war, ist bei mir tagelang der Fernseher gelaufen. Ich fand das dermaßen gruselig und anheimelnd, das war schon richtig abartig... lit: Ist das so ein gewisser Zynismus? Storch: Mit Zynismus hat das nichts zu tun, es sind diese herrlichen Schauer, die einem den Rücken runter laufen. Ich habe mir zum Beispiel mal im bekifften Zustand `ne komplette Kastelruther-Spatzen-DVD angeschaut. Das kann ich nur empfehlen. Das ist eine Karussellfahrt rauf und runter, hin und her, immer zwischen Geisterbahn und Klapsmühle. Als wär man in ein perverses Heidiland geraten. „Das Lied der Dornenvögel“ ist eines der genialsten Stücke von denen, in jeder Beziehung abartig. Gut ist aber auch „Das Mädchen mit den erloschenen Augen“, da geht`s um Heroin auf der Alm, schön schleimig mit dieser verlogenen Schnauzbartmentalität vorgetragen. Man muss natürlich, um die volle Wirkung zu haben, auch die Lautstärke voll aufdrehen. Mein aktuelles Lieblingslied ist allerdings nicht von den Kastelruthern, sondern von den Klostertalern. Das Stück, wo sie im Refrain immer singen: „Mach die Welt zum Märchenland und alles ist okay, alles ist okay und das ist schön.“ lit: Planst Du einen neuen Film? Storch: Ich wüsste schon, was ich gerne machen würde, das lässt sich aber wohl so bald nicht realisieren. Ich würde gern einen lustigen Film über Depressionen machen. Der Film würde „O happy Day“ heißen und damit anfangen, dass der junge Franz Kafka an die Pforten der Abtei von Thelema klopft, um sich als Privatsekretär bei Aleister Crowley zu bewerben. Als Kafka stelle ich mir einen gutaussehenden Sechzehnjährigen vor, der vor allem sportlich sein sollte. Das ist nötig, weil Kafka in dem Film viel fliegen muss. Denn immer, wenn er ganz dolle Depressionen hat, verwandelt er sich in Superkafka. Copyright © Simone Unger – Jun 15, 2008 |
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