Und wenn nichts ist, ist GruppenrauschIm Gespräch mit der ‚Fräulein Wunder AG’ über Kollektiv und Gurken, Swingerclubs und maximale Ineffizienz. Vom Swingerclub zum Lachyogalit: Erzählt mal aus dem Nähkästchen! Hinz: Wir steigen hart ein: Eine der Rauscherfahrungen war die Nacht in einem Hamburger Swingerclub. Der Kontakt war schwer zu organisieren, wir haben mehrere Emails rausgeschickt, aber die meisten wollten nicht, weil es einfach ein Tabu ist, darüber zu sprechen und im Club filmen zu wollen. So ist auch schon die Entscheidung gefallen, wo wir hingehen. Ob das nun der schönste Swingerclub war oder nicht, spielte keine Rolle. Lutz: Der Club war ziemlich billig und ernüchternd, so eine Hobbykeller-Atmosphäre. Hinz: Es war auch eher eine Sozialstudie und die hat einen schon ein wenig verkatert. Von allen Erlebnissen bleibt das ein Alptraum, der mir nachts kommt. Lobert: Was bei mir hängen geblieben ist, ist die Sprachlosigkeit. Man denkt, es gibt ja schließlich eine Kneipe unten, in der man in ganz normaler Kleidung sitzen kann, also müssen doch Gespräche möglich sein, Flirt. Gab es aber nicht. In dem Moment, in dem man nach oben geht zu den „Spielwiesen“, laufen einem einfach sehr viele Männer hinterher und dann gibt es nur noch ja oder nein. Das war ziemlich erschreckend. Hinz: Deshalb ist die Erfahrung im Grunde gar nicht so spannend, weil man sich einfach an dieser Kulisse stößt und merkt, dass man ganz andere Vorstellungen von Erotik und Ästhetik hat und damit nur Klischees bestätigt werden. Als Erfahrung ist das weniger intensiv, denn ich will doch eigentlich was Neues entdecken und neue Perspektiven sehen. lit: Aber es war schon aufregend, oder? Hinz: Am Aufregendsten daran waren die Diskussionen vorher: Was zieht man an, was macht man, wenn man Bekannte trifft, wie ist das mit Sex mit den Arbeitskollegen… Lobert: … will ich euch dabei sehen oder nicht, was mache ich, wenn ich gezwungen werde, wie kann ich mich davor schützen… Lutz: … was sage ich zu Hause… Lobert: …und wie erkläre ich meinem Freund, dass ich als Performerin in einen Swingerclub gehe, und das nichts mit der privaten Beziehung zu tun hat. Lutz: Ich glaube, was es für uns alle generell leichter gemacht hat, war das Gefühl, auf einer Mission zu sein. Wir haben uns diese Rauschrundreise vorgenommen, es gibt einen Plan, es gibt eine Ernsthaftigkeit, jetzt machen wir das und ziehen das auch durch. lit: Und dann ging es vom Swingerclub zum Lachyoga? Hinz: Ja, das war eine schöne Kombination. Die Art, wie wir unsere Trips organisiert haben, erinnert an Erlebnistourismus und das widerspricht komplett dem Rausch, weil der ja eigentlich dann entsteht, wenn man sich völlig in den Augenblick versenkt. Das geht aber nicht, wenn du weißt, dass du jetzt drei Stunden Lachyoga machst und dich danach auf ein Fußballspiel vom FC St. Pauli einlassen sollst. Das widerspricht möglichen körperlichen Versenkungszuständen. Copyright © Simone Unger – Apr 15, 2008 |
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