bierdunst über heslachEin Interview mit Ulf Stolterfoht über seinen jüngst erschienenen Gedichtband „holzrauch über heslach“, über Anarchie, Mittel zur Bewusstseinserweiterung und die Faszination an Fremdwörtern. lit: Ihre Gedichte werden als Fachsprachen-Lyrik bezeichnet. Sie haben dafür Texte der Psychiatrie oder Geologie gelesen und Schriften wie "Der kleine Radiotechniker" oder „Anweisungen zur Schweinezucht aus volkseigenen Betrieben der DDR“. Worin besteht der Reiz , sich mit dieser Art von Sprache auseinander zusetzen? Stolterfoht: Ich habe Fachsprachen immer als schlicht weg unverständlich wahrgenommen. Dennoch ging von ihnen immer eine gewisse Faszination auf mich aus. Zu ihrer Ehrenrettung wollte ich ihre eigene Unerklärlichkeit darstellen und auf der anderen Seite zeigen, dass es eine gesellschaftliche Sanktionierung für diese Unverständlichkeit gibt, was aber Quatsch ist und bei mir und meiner Arbeit auch nicht gelten kann. Ich glaube nicht an den Mythos, dass diese Sprachen schwer sind, weil sie so detailliert Aufschluss geben. Ich glaube, es gibt ein Unverstehen, weil wir die Sprache nicht richtig zu verwenden wissen. Begriffe nicht eindeutig geklärt sind. Das fasziniert mich, weil ich die Arbeit mit fremdem Material sehr schätze und sehr spannend finde. Die „Eingemeindung“ anderer Textelit: In wiefern reiht sich „holzrauch über heslach“ in Ihren Fachsprachenzyklus ein? Stolterfoht: Mein Verleger hatte den Wunsch nach etwas Neuem (lacht). Aber auch ich habe mich nach etwas Neuem gesehnt. Meine Herangehensweise war mir inzwischen völlig klar und ich war in ihr völlig souverän. Alles war also zu voraussehbar geworden. Ich wollte nicht wieder mit reinem Fremdmaterial arbeiten. Bei meinem Gedicht über Heslach konnte ich nur Fremdes aus meiner eigenen Erinnerung verwenden. Ich war zur Zeit des Schreibprozesses ein Jahr in Italien im Rahmen eines Stipendiums der Villa Massimo. Ich hatte fast keine Bücher dabei, was teils die Umstände ergaben und ich mir teils selbst vorgenommen hatte. Meine Freude auf das Buch und mein Wille reichten dann aber nur für eine Seite. Dann musste ich sehen, wie es weiter ging, und kam auf meine Erinnerungen und die Fiktion. lit: Würden Sie sich als Avantgardist bezeichnen? Stolterfoht: Ich würde mich als einen Teil einer Bewegung bezeichnen. Meine Arbeit ist ein Teil von experimenteller Literatur. Meine Arbeit rührt aus dem Wunsch danach, in einer speziellen Tradition zu stehen. So, dass sich eine bestimmte Dauerhaftigkeit eines Themas ergibt. Meine Texte sind referentielle Texte. Sie haben also alle einen Bezug zu anderen Texten und sind so ein Mittel, um diese Texte und die Tradition, in der sie stehen, weiterzuschreiben. So lassen sich Traditionslinien weiterführen. Copyright © Julia Schulz – Jul 15, 2008 |
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