Gwendolin Stolz

„Ich komm aus Kreuzberg, du Muschi.“

Bettina Blümner bringt den Berliner Kiez ins Kino


Gleich die erste Szene des Films spielt im Prinzenbad; ein Schaubild für das turbulente Viertel in dem die Protagonistinnen aufwachsen. Man sieht ihnen beim Herumliegen, Flirten und Balgen im Schwimmbad zu. Drei Prinzessinnen, die sich schön machen für den Hofstaat: Tanutscha bearbeitet sorgfältig ihren Lidstrich, und Mina rasiert sich noch schnell ein paar Stoppeln von den Beinen, während Klara Ausschau hält, Jungs „abcheckt“, Bekannte grüßt. Dann setzt Regen ein, das Schwimmbad leert sich und die Zuschauer tauchen ein in den Film, als Mitschwimmerinnen, als vierte Freundin, als Verbündete.

Kiezprinzessinnen

Bettina Blümners Dreharbeiten zu Prinzessinnenbad dauerten über ein Jahr. Ein Jahr, in dem sie die drei Mädchen durch ihren Alltag begleitete, ein Jahr Kiezprinzessinnnen-Alltag, ungeschönt. Nach außen hin wirken die drei selbstsicher, geben sich rotzig und provokant. Stets eine Zigarette im Mund, die MP3- Player voll aufgedreht, lassen sie gern mal Sprüche fallen wie „Du bist Deutscher? Das ist schon ma oberranzig“ oder das vielzitierte „Ich komm aus Kreuzberg, du Muschi!“. Aber Mina, Klara, und Tanutscha sind bei all ihrem trockenen Humor, ihrer obszönen Ausdrucksweise und ihrem harten Pragmatismus auch verunsichert und verletzlich. Und es ist eine der größten Leistungen des Films, den Zuschauern diese anderen Seiten aus nächster Nähe zu zeigen, ohne dass die Mädchen dabei je bloßgestellt würden.

Durch den intensiven Kontakt, der schon im Vorfeld des Drehs zwischen Regisseurin und Protagonistinnen bestand, lässt „Prinzessinnenbad“ eine Nähe zu, die selbst im Dokumentarfilm selten ist. Die Kamera (Mathias Schöningh) dokumentiert Alltag, Sehnsüchte und Haltung der Kiezprinzessinnen ohne jede Wertung. Es entsteht der Eindruck, als hätten die Mädchen selbst Regie geführt. Das gerade mit dem deutschen Filmpreis ausgezeichnete Werk ist eben keine soziale Brennpunktstudie, keine Draufsicht. Es ist ein „Mittendrinn“.

Prinzessinnenbad. Deutschland 2007. Regie Bettina Blümner. 92 min. FSK 12.

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Copyright © Gwendolin Stolz – Aug 15, 2008