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Seite 1 2 I can hear clearly nowAnmerkungen zum Zusammenhang von Musik und Drogen Dass gerade in der populären Musik so viel von Drogen, vom Drogenkonsum und von Drogenerlebnissen die Rede ist, kann deshalb nicht überraschen. Ganz gleich, ob es um gute Erfahrungen oder Horrortrips geht, ganz gleich, ob vor der Einnahme von Drogen gewarnt oder zur Einnahme von Drogen aufgefordert wird – das Reden von Drogen hat etwa dieselbe Funktion, wie es das Hantieren und Posieren mit Waffen oder Sprengstoff im Terroristenmilieu hat: Man will zeigen, dass man zu einer Gruppe gehört, die mit ziemlich gefährlichen Sachen einen sehr intimen Kontakt pflegt, dass man den Himmel und die Hölle gesehen hat oder die Schlüssel in der Hand hat, die Tür ins Paradies oder in den Seelenkerker aufzuschließen. Drogensongs haben deshalb immer etwas Protzendes, auch (und vielleicht gerade) dort, wo sie ganz still und melancholisch klingen. Auf jeden Fall wollen sie der Geste des Musikmachens und der eigenen Musik das Zeugnis ausstellen, dass hier tatsächlich eine Kunst der Überschreitung praktiziert wird. 3.Der hier rekonstruierte Zusammenhang von Musik und Drogen gibt allerdings nur den großen kulturellen Rahmen vor, in dem ganz individuelle Erfahrungen mit einzelnen Songs gemacht werden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Rauscherfahrungen mit ihren je eigenen Sets und Settings eigene Kontexte schaffen, in denen bestimmte Songs je anders gespielt und gehört werden. So gesehen können Stücke, die es mit aller Gewalt darauf anlegen, einen Rausch zu induzieren, in dem sie Rauscherfahrungen musikalisch nachstellen, den Hörer völlig kalt lassen. Umgekehrt können sich die allerplattesten Stücke, denen es überhaupt nicht darum geht, mit Drogen in Verbindung gebracht zu werden, in rauschhafte Stücke verwandeln, mit denen sich das ganze Universum samt eigener Existenz in aller Klarheit verstehen lässt - sie müssen nur genau im richtigen Moment gespielt werden, etwa gerade dann, wenn die Wirkung eines mexikanischen Zauberpilzes einsetzt… Das aber heißt: Was Musik mit Drogen zu tun hat, kann letztlich nur kontextabhängig geklärt werden. Rekonstruiert werden muss der kulturelle Kontext, in dem bestimmte Stücke entstehen, gespielt und gehört werden. Und rekonstruiert werden muss immer auch das Moment der persönlichen Erfahrung, die mit einem bestimmten Stück verbunden ist – wobei die persönliche Erfahrung (nimmt man sie nur ernst und gibt sie nicht der Verkitschung preis) nichts weniger ist als eine Aktualisierung wirkungsmächtiger kultureller Strukturen. Seite 1 2 Copyright © Stephan Porombka – Jul 15, 2008 |
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