Man geht spazieren und sieht einen SchwanEin Werkstattgespräch mit dem Lyriker und Dramatiker Fitzgerald Kusz Ein Erfolg in dreizehn Dialektenlit: Und wie sind Sie zur Mundart gekommen? Kusz: Zum einen war die hochdeutsche Lyrik einfach schon sehr abgegriffen und mit Mundart, da ließ es sich experimentieren, und dann hatte ich eine ungeheuere Schwäche für die Wiener Gruppe, Artmann, Achleitner, Rühm. Natürlich bin ich auch auf die Mundartgedichte H.C Artmanns gestoßen. Ich habe aber auch immer die politische Dimension des Dialektes gesehen, so wie in meinem Gedicht „Erziehung“: iich soochders im goudn/ Dass Sprache Handlungsanweisung ist und gerade Dialekt oft ein falsches Bewusstsein befördert, das wollte ich thematisieren. lit: Nun sind Sie aber nicht durch Ihre Lyrik berühmt geworden – der große Erfolg kam mit dem Theaterstück „Schweig Bub“, das auch in Mundart geschrieben ist… Kusz: Ich hatte damals schon länger vor, ein Stück über eine Konfirmation zu schreiben - mit dem ersten Satz: Du, wou hammer letzthin ä suer Leberknidlersuppm gessn. Aber das hat dann ein bisschen gedauert, bis ich mich wirklich daran gesetzt habe. 1975 hab ich dann also das Theaterstück „Schweig Bub“ geschrieben und 1976 war die Uraufführung in Nürnberg. Und das war tatsächlich ein Erfolg, damit hatte ich auch gar nicht gerechnet. Das Publikum hat getobt, es gab zwanzig Minuten Applaus. Und seitdem ist es ein Dauerbrenner. lit: Ihr Theaterstück wurde später in dreizehn weitere deutsche Dialekte übersetzt. Kusz: Ja, es gibt acht Fernsehaufzeichnungen und seit 30 Jahren über 700 Aufführungen und 2007 wurde das Stück erst wieder neu inszeniert. lit: Schauen Sie sich das ab und zu auch noch mal an? Kusz: Ab und zu. Selten. Bei Jubiläen. Vor zwei Jahren gab es eine lange Kusz-Nacht im Nürnberger Schauspielhaus, da hab ich das mal wieder gesehen. Aber auch nicht ganz, ich bin dann ein bisschen in die Kantine gegangen. Copyright © Tessa Müller – Apr 15, 2008 |
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